Luftverschmutzung mit Mobilfunkdaten berechnen

Smarte Datenanalyse für den Klimaschutz

„Die Stadt Nürnberg ist in Umweltfragen sehr engagiert. Wir haben großes Interesse daran, unsere Luftqualität und die Verteilung von Luftschadstoffen besser zu verstehen, damit wir entsprechend handeln können. Deshalb haben wir nicht lange gezögert und uns als Pilotstadt gerne zur Verfügung gestellt.“

Dr. Peter Pluschke, Stadtrat und Leiter des Geschäftsbereichs Umwelt und Gesundheit.

Städte wie Nürnberg kämpfen mit einer immer höheren CO2-, Feinstaub- und Stickstoffoxid-Belastung. Sie suchen dringend nach Lösungen für eine saubere Luft in der Stadt. Bevor die Städte jedoch konkrete Maßnahmen anstoßen, müssen sie zunächst präzise Daten erheben. Nur so wissen sie, wo genau die Belastung besonders hoch ist. Das ist bisher sehr aufwendig und ungenau. Hier kann die smarte Datenanalyse helfen: Telefónica Deutschland beteiligt sich mit der auf Nachhaltigkeitslösungen spezialisierten South Pole Group, dem Datenanalyse-Experten Teralytics und der Stadt Nürnberg an einem Pilotprojekt, das mithilfe von Mobilfunkdaten die Luftqualität viel umfangreicher als bisher ermittelt. Ist das Projekt erfolgreich, haben auch andere Städte im Kampf gegen den Smog ganz neue Möglichkeiten. Das Forschungsprojekt wird von Low Carbon City Lab (LoCaL), einem EU-Programm von Climate-KIC, gefördert. LoCaL hat das Ziel, ab 2050 jährlich 1 Gigatonne CO2 zu reduzieren und gleichzeitig 25 Milliarden Euro an Klimafinanzierung für Städte zu mobilisieren.

Für Städte ist die Messung der Luftqualität bisher sehr aufwendig. Sie bezahlen Personen, die an Straßenkreuzungen sitzen und per Hand den Verkehr notieren. Das ist nicht nur teuer, sondern auch ungenau. Im Rahmen eines Pilotprojekts suchen die Beteiligten nach einer besseren Lösung. Diese basiert im Vergleich zu herkömmlichen Messmethoden auf einem völlig anderen Rohstoff: mobilen Daten.

Wie schnell sind die Verkehrsteilnehmer unterwegs? Welche Strecke legen sie mit welchem Verkehrsmittel zurück? Mithilfe von mobilen Daten können Verkehrsströme erfasst und die entsprechenden Schadstoffbelastungen abgeleitet werden. Die Daten entstehen automatisch, wenn Mobilfunkgeräte, z.B. beim Telefonieren, mit den Mobilfunkzellen von Telefónica Deutschland kommunizieren. Die Stichprobe ist somit größer als bei üblichen händischen Messungen und kostengünstiger. Die Kundendaten sind dabei vollständig anonymisiert und geschützt.

„Anonymisierte Mobilfunkdaten ermöglichen uns bisher unbekannte Einblicke in die Bewegungsströme der Bevölkerung. Wir wollen mit dem Pilotprojekt zeigen, dass wir mit der Analyse dieser großen Datenmengen sowohl einen wirtschaftlichen als auch einen gesellschaftlichen Mehrwert leisten können.“

Georg Polzer, CEO und Gründer von Teralytics.

Nürnberg arbeitet zurzeit an einem neuen Luftreinhalteplan, in den die Ergebnisse beim erfolgreichen Abschluss des Pilotprojekts einfließen können. In Nürnberg werden dafür die Emissionen der Jahre 2016 und 2015 miteinander verglichen. Telefónica Deutschland liefert hierfür als nach Kundenzahlen größter Mobilfunkanbieter Deutschlands die anonymisierten mobilen Daten. Diese wandelt Teralytics im Auftrag der Telefónica Deutschland mithilfe ihrer eigens entwickelten Algorithmen im Rechenzentrum der Telefónica Deutschland in Bewegungsflüsse um, und die South Pole Group leitet daraus die Schadstoffbelastung ab. Zum Vergleich nutzt das Pilotprojekt bereits existierende Daten zur Luftqualität der Stadt. Mithilfe der Ergebnisse will die Stadt Nürnberg gezielt Maßnahmen in den Regionen anstoßen, in denen die Luftqualität am schlechtesten ist. Darüber hinaus zeigt ein Vergleich der Daten aus 2015, ob sich die Maßnahmen des vergangenen Jahres bereits auf die Emissionswerte ausgewirkt haben.